• Isa

Es ist kein Verbrechen für sich selbst einzustehen!

Aktualisiert: 16. Mai 2021

Wir alle wissen, wie das ist: Eine Person verhält sich auf eine gewisse Weise und bringt uns damit in eine unangenehme Situtation. Je nach dem wie wir uns in diesem Moment gerade fühlen, kann es gut sein, dass wir auf leichte Weise für uns einstehen können, ohne dass uns diese Angelegenheit weiter beschäftigt. Vielleicht fällt uns in diesem Moment noch nicht einmal gross auf, dass da was Wichtiges oder Unangenhemes war.


Es kann jedoch auch gut sein, dass wir uns in diesem Moment etwas irritiert fühlen und nicht gleich darauf reagieren. Ein flüchtiger Gedanke streift uns: 'Oh, das fühlt sich jetzt aber etwas komisch an. Was war DAS denn?'. Wir denken jedoch nicht weiter darüber nach und bald ist die Sache vergessen. Oder wir arrangieren uns damit. Möglicherweise fällt uns erst später ein, dass da was war und wir fragen uns, was es war oder woher das Gefühl kam, welches wir in diesem Moment empfunden haben.


Doch manchmal geschieht etwas, was uns unmittelbar ein Gefühl des 'Neins' fühlen lässt. Wir stellen ganz klar fest, dass das, was gerade passiert, uns nicht gefällt. Dass wir nicht einverstanden sind. Dass wir uns wehren möchten. Einigen von uns gelingt dies leichter, anderen weniger leicht. Es kann sein, dass dies mit der Situation oder auch mit dieser Person, respektive mit unserer Beziehung zu dieser Person, zu tun hat.


Es ist möglich, dass sich regelmässige, sich wiederholende Situationen in unserem Leben zeigen, welche eine stärker werdende Ablehnung in uns aufkommen lassen. Gerade wenn sich Ereignisse wiederholen, wird uns klarer bewusst, dass da etwas ist, was uns stört. Oftmals wird uns erst in diesen Momenten klar, dann wenn sich dieses Gefühl aufbläht, dass wir unbedingt etwas gegen diese Vorkommnisse unternehmen wollen oder müssen.


So können das nur kleinere Ereignisse sein, die ab und an auftreten, oder sich Lebenssituationen einschleichen, die mit der Zeit immer schwerer zu ertragen sind.



So oder so: Wir haben immer die Wahl, wie wir mit einer solchen Situation umgehen wollen - sei diese vorübergehend, einmalig oder andauernd. Wichtig ist, sich im ersten Schritt klar darüber zu werden, was da eigentlich los ist. Was ist passiert?


Im zweiten Schritt können wir uns überlegen, wie sich das für uns anfühlt. Was macht diese Angelegenheit mit uns? Was können wir aus dieser Sache lernen? Was will uns unser ablehnendes Gefühl mitteilen? Wie beurteilen wir die Situation? Macht sie uns Angst? Wenn ja, weshalb? Fühlen wir uns bedrängt? Unter Druck? Eingeschüchtert? Verletzt? Traurig? Irritationen dieser Art können viele Gesichter haben.


Im dritten Schritt überlegen wir uns, wie wir mit dem Thema umgehen wollen. Wir kommen hier in eine aktive Haltung und nehmen UNS und die Situation klar wahr. Wir suchen nach Lösungsmöglichkeiten, welche wir gezielt einsetzen können, um die Angelegenheit zu verbessern oder zu verändern. Wie wollen wir handeln? Was liegt uns am Herzen und wie kommen wir da hin? Was lässt sich tun, um diese Belastung aufzulösen? Wie sollte diese Angelegeneheit oder diese Situation im Idealfall für uns aussehen? Was wünschen wir uns?


Anschliessend entscheiden wir uns im vierten Schritt für unsere Massnahmen. Welche Idee, welche Veränderung oder welche Handlung wollen wir vornehmen, um weiterzukommen? Wie finden wir aus dieser Sackgasse wieder heraus?


Es ist nicht immer leicht, sich mit Themen dieser Art auseinanderzusetzen. Doch Klarheit und Bewusstheit sind zwei Dinge, welche uns unterstützen können. Erst wenn wir bereit sind, uns mit uns und den Umständen auseinanderzusetzen, haben wir die Möglichkeit etwas zum Guten zu verändern.


Ich höre oft von meinen Klienten, dass sie sich nicht trauen. Oder dass sie sich eingeschüchtert und ängstlich fühlen. Darum unternehmen sie nichts oder versuchen nur zaghaft, ihrem Gegenüber zu signalisieren 'Hey, das ist mir nicht recht. Es fühlt sich für mich nicht gut an. Ich bin nicht einverstanden.' Doch sie werden von ihrem Gegenüber meist nicht gehört. Oder diese Person will es gar nicht hören und reagiert nicht darauf.


Ihre Erfahrung zeigt, dass diese sanften und zurückhaltenden Hinweise nicht ausreichen, um ihre Situation dauerhaft zu verbessern. Sie fühlen sich gefangen und hilflos und haben den Eindruck, dass sie nicht in der Lage sind, sich gegen Umstände zu wehren, die für sie nicht stimmig sind.


Auf Dauer kann das sehr belastend, anstrengend und frustrierend werden. Aus Unsicherheit und Zurückhaltung werden Zorn, Wut oder Traurigkeit und Hilflosigkeit. Wenn wir uns unsicher fühlen, denken wir möglicherweise, dass wir gar nicht das Recht haben, uns durchzusetzen.

Das ist ein Trugschluss. Wir täuschen uns selbst in der Annahme, dass wir uns nicht wehren dürfen oder denken gar, dass es sich nicht gehört, dass es nicht angemessen ist, mitzuteilen was uns bedrückt oder stört. Wir ertragen leise oder still die Situation und lassen Menschen Dinge mit uns machen, die uns widersprechen. Und nicht gut für uns sind.


Die Lösung zu diesen Problemen ist folgende: Es ist wichtig und richtig, für sich selbst einzustehen, möge diese Handlung im Moment auch noch so unangenehm sein. Je grösser die Verzweiflung, die Angst oder der einengende Druck, umso schwerer fällt es uns, uns für uns selbst stark zu machen. Je länger wir warten, umso mehr festigt sich die Situation und Wiederholungen sind meist voraussehbar.

Wenn wir jedoch lernen, dass es kein Verbrechen ist, für sich selbst einzustehen und mit Nachdruck unsere Bedürfnisse kundtun, dann haben wir eine gute Voraussetzung für eine Verbesserung der Umstände und unserer Situation.


Jeder Mensch, ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, hat das gleiche Recht sich zu wehren und für sich selbst und seine Gefühle einzustehen. Geimpft von Gepflogenheiten aus Gesellschaft und Kultur lernen wir von klein auf, dass es sich nicht schickt, sich - insbesondere gegenüber Erwachsenen - aufzulehnen. Dass wir lieber still sein und uns anpassen sollen. Trauen wir uns zu rebellieren, wird die Aktion direkt im Keim erstickt. Auf Jahre hinaus erstreckt, zeigt diese Konditionierung ihre Wirkung: Wir werden klein, still, ängstlich und zurückhaltend. Und trauen uns irgendwann gar nicht mehr, etwas zu sagen.


Wenn wir jedoch den Mut, die Kraft und die Stärke aufbringen, zu sagen, was Sache ist, haben wir gute Chancen uns von bedrückenden und einengenden Umständen und Strukturen zu befreien. Wenn wir wissen wie es geht - siehe die vier Schritte oben - dann haben wir alles in der Hand, was wir brauchen, um aus diesem Teufelskreis auszusteigen.


Es lohnt sich, damit zu beginnen - unserem Seelenwohl und uns selbst zuliebe.

Seien wir mutig. Denn es ist nie zu früh dafür.


ES IST KEIN VERBRECHEN, FÜR SICH SELBST EINZUSTEHEN.



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